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"Vor dem Vergessen bewahren"

Interview/Biogramm


 – Vor dem Vergessen bewahren / Ocaliæ od zapomnienia 



1.      Bruno Ciszewski


Geboren am 05.05.1929 in Schipkau  bei Senftenberg ( ehemalige Niederlausitz). Er hatte 2 Brüder und eine Schwester.  Im Oktober 1947 wurde er von Deutschland nach Polen übesiedelt. Vor dem Krieg lebte  die Familie Ciszewski in Deutschland, jedoch  mit der polnischen Staatsangehörichkeit wurden sie in der Nazi-Zeit von den Deutschen nicht besonders gut behandelt. Die Nasisten nahmen den Vater von Bruno ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Seine Mutter starb im Jahre 1937 und sein Vater im Jahre 1940. Die verwaisten Kinder hängten immer zusammen, um über die Runden zu kommen. Die älteren Brüder mussten zur Armee -in die Wehrmacht. Nach dem Krieg kamen sie aus der Gefangschaft . Das polnische Konsulat setzte sich für die Familie ein und so siedelten sich die Geschwister in Polen ein.


In dem Haus in Grünberg waren sie die ersten Einsiedler. Bruno wohnt in dem Haus in der Sulechowska-Straße  bis jetzt (seit 64 Jahren). Das Haus war ruiniert, weil hier bis 1947 die russsischen Soldaten stationierten. Grünberg hatte damals 27 Tausend Einwohner. Die Firma Zastal reparierte die  Wohnungen. Bis 1948 wohnte die Familie Ciszewski in der Wohnung alleine. Danach kamen andere Umsiedler aus 3 verschiedenen Ländern. Darunter auch die künftige Frau von Herrn Ciszewski; sie kam aus Frankreich. In dem Haus wurde immer deutsch gesprochen, obwohl die deutsche Sprache damals nicht gefragt war. Man sprach leise untereinander. Bruno verstand nur einzelne polnische Wörter, als 18 jähriger Junge fing er an, Polnisch zu lernen. Er besuchte keine polnische Schule und musste sich selbst die Sprache beibringen. Seine Großmutter kam aus der poznaner Region und von ihr lernten die Kinder ein bisschen Polnisch. Die Brüder Ciszewski  Feliks, Franz und Bruno arbeiteten in der Fabrik Zastal. Bruno heiratet e. Die Ehefrau starb mit 46 Jahren. Sie hatten drei Söhne.


Bruno Ciszewski ist in der deutschen Kultur aufgewachsen. Seine Mutter war Deutsche, sein Vater kam aus Polen. Als Deutschsprachige  wurden sie nach dem Krieg als „Germañcy“ gennant. Er fühlt sich als Pole, aber die Mentalität blieb bei ihm deutsch. Seine zwei Söhne leben jetzt in Deutschlad, sie haben deutsche Pässe.


„Als Kinder wurden wir von den Lehrern in der Schule benachteiligt. Man hat gezeigt, dass wir keine reinen Deutschen sind. Als 12-jährgen Jungen, mussten wir vor der Tafel stehen und der Lehrer zeigte an uns, wie die ostslawische Rasse aussieht. Unsere Nachbarn waren normale Menschen. Sie haben so wie mein Vater in der Grube gearbeitet.“


„Fast am Ende des Krieges 15-jährigen Jungen, haben uns nach Paradisch, neben ¦wiebodzin geschickt, um Schützengräber zu bauen.“


„Ich kann lesen und schreiben auf Polnisch, aber ich bete auf Deutsch. Gott ist der Selbe.“




2.      Ma³gorzata Gandecka


Ma³gorzata Gandecka wurde am 19.02.1930 in Sallgass Poley( Kreis Lucau) in Deutschland geboren. Zuerst besuchte sie die 8-klassige Volkschule in Sallgass Poley, dann die Handelsschule in Senftenberg. Die Schule musste sie später abbrechen, weil die Familie nach Polen transportiert wurde.  Ihr Vater arbeitete in der Grube in Senftenberg. Er konnte gut Polnisch, deshalb  schickte ihn die Firma Klettwitz für ein Jahr nach Konin, wo er  Oberseiger in der neueröffneten Grube war. Einen Monat während der Kriegszeit lebte Ma³gorzata in Polen und sie besuchte auch die deutsche Schule. Sie hatte immer die deutsche Staatsangehörigkeit. 1946 kam sie mit ihrer Familie, gerade zu Weihachten, nach Polen an, zuerst nach S³one, neben Grünberg . Erst mit 16 Jahren begann Ma³gorzata Polnisch zu lernen. Sie arbeitete in Zastal ( Wagmo) bis 1950 in der Kalkulation. Damals waren die ausgebildeten Mitarbeiter sehr gefragt. Ihr Vater arbeitete als Obersteiger zuerst neben S³one; da war damals eine Grube und dann neben Neu Salz(Grube Maria)und als Leiter verdiente er sehr gut. Ihr künftiger Ehemann kam mit demselben Transport aus Senftenberg. Mit 22 Jahren hatte sie schon drei Kinder. Die Familie Gandecki wohnte zuerst in Lubsko (Sommerfeld), wo Herr Gandecki und sein Bruder Fußball spielten. Dann zogen sie nach Grünberg. Malgorzata arbeitete in einem Projektbüro, dann in WPHW, in der Fabryczna-Straße. Mit guten Sprachkenntnissen war sie Dolmetscherin, weil die Firma Geschäftspartner aus Cottbus und Frankfurt/Oder hatte. Da sie eine fleißige Mitarbeiterin war, bekam sie eine Wohnung in Grünberg. In der Wohnung lebt sie seit 1967; jetzt mit ihrer Tochter zusammen.  Der jüngere Sohn ist  Direktor am Lyzeum in Grünberg. Im Jahre 2000 lernte sie Herrn Jan Grzegorczyk kennen  und wurde Mitglied der TSKMN in Grünberg.


Frau Gandecka ist 82 Jahre alt. Das Alter stört sie nicht, wenn es um den Umgang mit dem Computer geht.


„Das hat mir meine Enkelin, die in Oldenburg wohnt, beigebracht. Ich habe es schnell gelernt und sie hat sich gewundert, dass ich es so schnell begriffen habe. Dann haben alle Enkelkinder dazugelegt und mir zum 80.Geburtstag den Laptop in Deutschland gekauft. Mit dem Computer kann ich jetzt Post empfangen, weiterschicken, Bilder weiterschicken usw. Mein Bekannter schickt mir Bilder von Grünberg, dadurch kann ich die Stadt sehen, weil ich seit 10 Jahren die Wohnung wegen meiner Krankheit nicht verlassen habe. Zur Zeit schreibe ich meine Lebensgeschichte auf dem Computer.“




3.      Feliks Drewka


Feliks Drewka wurde  am 03.09.1917 in Bur-Retze bei Gelsenkirchen geboren. Sein Vater war Pole (geboren in West-Pommern). Er  arbeitete in Deutschland in einer Grube. Seine Mutter war Deutsche, sie lebte in Gelsenkirchen. 1920 kam die Familie Drewka nach Zbaszyñ; diese Stadt gehörte zu Polen damals. Feliks war 3 Jahre alt. Dann besuchte er die Schule in Zbaszyñ. Zu Hause sprach man Polnisch. Die ältere Schwester sprach sehr gut Deutsch.  In Leszno 1935 begann der fünfzehnjährige Feliks eine Lehre zum Kaufmann bei dem Kaufmann Moczko. Die Eltern besaßen ein Tabakgeschäft , in dem die Mutter arbeitete. Feliks wurde zum Kaufmann ausgebildet. In der Kriegszeit arbeitete er in Miêdzyrzecz (Meseritz) bis 1945. Nach dem Krieg, genau am 04.02.1946, kam Feliks Drewko nach Grünberg. Ein halbes Jahr arbeitete er in Wagmo ( heute Zastal), dann wurde er Vorsitzender der Genossenschaft „ Czyn“. Der Betrieb produzierte Lederwaren.


Feliks Drewka wurde einer der Begründer der Soziokulturellen Gesellschaft der Deutschen Minderheit in Grünberg; seit 1994 ist  er Mitglied der Gesellschaft. Er  interessiert sich für Geschichte und liest die deutsche Presse .


„ Als ich mit meiner Mutter in Gniezno am Bahnhof war und meine Mutter fragte auf Polnisch:                „ Który to peron?“ .Darauf hat sie die Antwort bekommen: „Teraz to nie peron tylko Bahnsteig“. Das war Anfang September 1939.



4.      Krystyna Bilinska


Krzstyna Biliñska wurde in Rochatyn am 25.05.1925 geboren. Zuerst besuchte sie die Volksschule in Rochatyn, dann 2 Jahre Gymnasium, bis 1939 die Russen nach Rochatyn eintraten. 1941 kamen die Deutschen nach Rochatyn. In der Zwischenzeit ermordeten die Ukrainer viele Polen. Es gab viele schreckliche Unfälle, deshalb schickten sie ihre Eltern und ihre Kollegin nach Czêstochowa zu ihrer Tante. In Czêstochowa besuchte sie das Gymnasium, danach kam  die Familie aus Rochatyn. Sie konnten in Rochatyn  bleiben, aber sie müssten die russische Staatsangehörigkeit annehmen und das wollten Polen nicht. Viele wurden nach Sibirien vertrieben. Ein Jahr war sie in Grünberg, später ging sie nach Breslau und seit dieser Zeit wohnt sie in dieser Stadt (heute Wroclaw). Jetzt ist sie Stadtführerin für die deutschen Gruppen und Reiseleiterin. Zuerst waren das die DDR-Gruppen, dann, seit den 80er Jahren, kamen die Touristen aus Westdeutschland. Darunter waren auch die Deutschen, die früher in Breslau, in Niederschlesien wohnten. Sie wollten die Orte in Niederschlesien besuchen. 


In der Vorkriegszeit war Galizien eine Mischung von mehreren Nationen. Die  Leute kamen aus Ungarn, Österreich, Italien, aus der Ukraine und Polen.  Es gab eine Deutsch Minderheit in Lemberg, wo eine deutsche Tabakfabrik war. Die Italiener hatten  da auch große Firmen. Die Leute  verschiedener Nationen lebten bis 1943 in großer Freundschaft.


„Wir haben damals zu Hause Polnisch gesprochen, aber wir konnten uns gut Deutsch verständigen, z.B. mit unseren deutschen Nachbarn haben wir Deutsch gesprochen. Ich fühle mich als Polin, aber auch als Europäerin-damals und heute.“


„Als die Deutschen nach Rochatyn 1941 gekommen sind, haben wir sie mit Blumen begrüßt, wir haben uns gefreut. Es war Krieg zwischen Deutschland und Russland und viele Polen wurden vertrieben, zuerst die Offizier-Familien und die Intelligenz. Unsere Familie war auch auf der Liste, aber davor kamen die Deutschen und wir wurden dadurch gerettet.“


5.      Bronis³awa Luboch


Bronis³awa Luboch wurde am 09.10.1925 in  Leszno ( Lissa)geboren. Die Eltern waren Polen. Leszno gehörte nach dem ersten Weltkrieg (erst ab 17.01 1920)zu Polen. In der Kriegszeit arbeitete sie als Haushaltshilfe bei einer deutschen Familie. So lernte sie Deutsch sprechen. Als sie 16 war, im Jahre 1942,töteten die Deutschen ihren Vater. Er war Schneider von Beruf. Kurz nach dem Kriegsende, am 13.06.1945, kam Bronis³awa nach Grünberg. Sie arbeitete bei  dem Front-Roten Kreuz als Krankenschwester. In Ihren Erinnerungen schilderte sie das Leben in Grünberg zu dieser unruhigen, chaotischen Zeit .


„Als ich am 13.06. 1945 in Grünberg mit der Arbeitszuteilung angekommen bin, gab es nicht so viele Polen hier. In der Stadt waren noch viele russische Soldaten und Deutsche, die hier gelebt haben. Ich erinnere mich an den deutschen Arzt  namens Fischer, der im Krankenhau, in der jetzigen Aleja Niepodleg³o¶ci  arbeitete. Der hat uns sehr geholfen. Eines Tages ist er nach Guben weggefahren. Die deutschen Bürger sind von sich selbst nach Deutschland gegangen, oder sie wurden ausgesiedelt        (am 24.06.1945), meistens nach Guben. Auf dem heutigen S³owianski Platz haben sie sich gesammelt und von dort aus wurden sie nach Deutschland transportiert. Im September 1945 habe ich die Arbeitszuteilung im Krankenhaus in der Aleja Niepodleg³o¶ci bekommen. Da gab es nur noch polnisches Personal.“


„ Die Beziehungen zwischen Polen und Deutschen waren gut. Viele Deutsche haben noch im Gaswerk gearbeitet und die Frauen haben in der Küche im Krankenhaus mitgeholfen. Sie hatten Angst vor Russen. Es war die Zeit, wo Gewalt und Gesetzwidrigkeit herrschte. Ich habe in Lazaretten gearbeitet, war oft hungrig.  Es gab keinen Strom, wir haben abends zu Hause gesessen. Ich habe gut Deutsch gesprochen und sehr schnell Russisch gelernt, deshalb konnte mich mit allen verständigen. Wenn die deutschen Mädchen geweint haben, dass ihre Eltern tot sind, habe ich mit ihnen geweint.“


6.      Rainer Krawczyk


Reiner Krawczyk wurde am 08.09.1938 in der ehemaligen DDR in neben Senftenberg geboren. Beide Eltern waren Polen. Die Alltagssprache der Familie war Deutsch. Rainer besuchte die deutsche Schule bis April 1947. Zu dieser Zeit, nach dem Krieg, hatten die Leute sehr gehungert, vor allem die kinderreichen Familien. Reiner hatte sieben Geschwister, der älteste Bruder war 14. Der Vater arbeitete nur fürs Essen ; die tägliche Brot-Ration war 50 Gramm Brot. 1945 bis 1947 waren die schlimmsten Jahre für Deutsche. 1947 kam die Familie Krawczyk nach Polen. Zuerst wohnten sie sich in einem Dorf ein. Ab September gingen die Kinder in die polnische Schule. Sie konnten kein Wort Polnisch, aber es war nicht so schlecht, weil in der Schule Kinder aus verschiedenen Ländern (Bulgarien, Rumänien, Deutschland) waren. Dadurch fühlte sich Reiner als deutsches Kind nicht so isoliert. Familie Krawczyk hatte schon elf Kinder.


Der sprachliche Kontakt mit Polen war sehr schwer. Rainer besuchte nur drei Klassen der polnischen Schule; die Eltern hatten keine Möglichkeit ihn in die Stadt zur Schule zu schicken, weil es damals zu teuer war. Nach der Pause machte er die siebte Klasse der Grundschule und fing an zu arbeiten. Inzwischen machte er verschiedene Kurse, Schulungen und natürlich Fahrerlaubnis.


1960 fuhren die Eltern mit Rainers Geschwistern in die DDR (in die alte Heimat) zurück. Drei Schwestern und Reiner blieben in Polen. 1974 kam Reiner nach Grünberg.  Er heiratete eine Frau aus Osten, aus Weißrussland. Sie hatten drei Kinder. Die Tochter lebt in Polen und die Söhne gingen nach Deutschland( Hamburg und Berlin). 1994 erreichte Rainer die Rente. Familie Krawczyk kultiviert die polnische und die deutsche Tradition.




7.      Wanda Iwko


Wanda Iwko wurde 1923 in Kattowitz ( heute Katowice)geboren. Die Familie ihrer Mutter war polnischer Herkunft, sie kam aus Oberschlesien (Kattowitz). Die Familie ihres Vaters kam aus Deutschland, aus Grünberg. Der Vater- Fritz Herrmann wurde im ersten Weltkrieg verletzt und ins Krankenhaus nach Berlin gebracht. Die Eltern lernten sich in Berlin kennen und im Jahre 1919 kam das erste Kind -Rolf zur Welt. In Deutschland konnte sich die Familie nicht ernähren, sie kehrten daher nach Oberschlesien zurück und wohnten mit Wandas Großmutter zusammen. Wanda kam 1923 in Kattowitz zur Welt. Der Vater war Schlosser-Mechaniker von Beruf und er hatte ein Händchen für alles. Trotzdem wurde er arbeitslos, weil alle Deutschen zu dieser Zeit von der Arbeit in der Region entlassen wurden. Dafür wurden die polnischen Mitarbeiter angestellt. Als Deutsche bekamen sie aber von der Deutschen Regierung die soziale Hilfe in Höhe von 50 Mark (98 Z³otych)pro Monat. Die Mutter war Aushilfe im Lebensmittelgeschäft und putzte Wohnungen. Nach vier Jahren sollte sich die Familie entscheiden: entweder nehmen sie die polnische Bürgerschaft an oder sie gehen nach Deutschland. Bis 1933 wohnten sie in Beuten(Bytom).


Zu Hause sprach man immer Polnisch. Wanda besuchte 3,5 Jahre die polnische Schule. Die deutsche Sprache konnte sie kaum. Am 4.12.1936 kam die Familie Herrmann nach Grünberg; sie bekamen von der Stadt eine Wohnung zur Untermiete. Der Vater arbeitete in der Brauerei. Wanda besuchte gleich die deutsche Schule, obwohl  ihr Deutsch schlecht war. Mit 15 war sie mit der Schule fertig und nach dem Gesetz  musste sie arbeiten gehen. Ihr Bruder arbeitete bei einem Landwirt. Sie war Aushilfe beim Metzger und half auch im Haushalt. Durch diese Arbeit bekam sie eine gute Vorbereitung auf ihr späteren Beruf. 1941 schloss sie die Berufsschule ( heute Bema-Straße)mit der Gesellenprüfung ab und hatte die Ausbildung als Fleischerin. Sie arbeitete 12 Stunden am Tag. Sonntags besuchte sie Kino oder ging schwimmen.


Am 24.06.1945 traten Polen nach Grünberg ein. Die Familie hatte temporäre, polnische Staatsangehörigkeit, die Mutter war Polin, außerdem gehörte sie zum Bund der Polnischen Mütter (sie war im Vorstand). Das alles trug dazu bei, dass sie vor den Repressionen geschützt wurden. Frau Iwko war Zeitzeugin von vielen menschlichen Tragödien; es kam zu den brutalen Vergewaltigungen  deutschen Frauen von russischen Soldaten in Grünberg. Manche von diesen Frauen und ihre Familien begangen danach Selbstmord, darunter die Nachbarn von Familie Herrmann.


Nach dem Krieg besuchte Wanda  das Gymnasium (heute Licealna-Straße). Das Lerntempo wurde beschleunigt; zwei  statt vier Jahre. Man brauchte ausgebildete Arbeitskraft. In der heutigen Licealna-Straße war die Schule für Mädchen. Zu dieser Zeit lernte sie Stanislawa Biliñska kennen. Sie wurden mit der Zeit Freundinnen. Im Jahre 1944 kam der Sohn der Familie Iwko zur Welt. Er wurde oft in der Schule wegen der deutschen Wurzeln schikaniert. Sie hatten drei Kinder: zwei Söhne und eine Tochter.


„Meine Mutter hat schlesische Speisen gekocht. Es gab Rolladen, Sauerkraut mit Erbsen, Bratwurst und die schlesischen Klöße. Zum Weinlesefest haben die Leute immer Brot mit Harz-Käse von Zuhause mitgebracht.; das passte gut zu dem sauren Wien“.


„Am Luisental  in Grünberg(heute Bagmostaw)gab es immer zwischen 14-16 Uhr Tanz-Nachmittage; es hat eine Musik-Band gespielt.“


8.      Stanisawa Biliñska-Tomczak


Stanislawa Biliñska-Tomczak wurde am 11.06.1928 in Rochatyn geboren. Am 14.10.1944 ist ihre Familie  von dort aus nach Heinau bei Legnitz mit dem Transport gekommen. Die Fahrt dauerte fünf Wochen. Dort waren sie ein Jahr lang. Ihr Vater und ihre Tante arbeiteten bei der Forstverwaltung. Am 01.01.1946 kamen sie nach Grünberg. Es war ein kleines Städtchen damals; ungefähr 24 Tausend Einwohner.  Es gab nicht viele Kriegsschäden in der Stadt; nur ein paar Häuser wurden verbrannt. In der Schule lernte sie ihre spätere gute Freundin- Wanda Herrmann kennen. Wanda übte mit ihr die deutsche Sprache. Zuerst besuchte Stanis³awa das Gymnasium (heute Licealna- Straße), dann das Lyzeum. Vor dem Pharmazie-Studium, arbeitete sie in der „Löwen-Apotheke“. Nach dem dreijährigen Studium wurde sie Leiterin einer Apotheke in der Berliner-Straße( heute Jedno¶ci- Straße). In dieser Apotheke arbeitete sie über 49 Jahre. Dann wurde die Apotheke verkauft.


In der Familie von Stanis³awa Biliñska sprach man nicht nur Polnisch, sondern auch Deutsch. Stanis³awa Biliñska-Tomczak ist Mitglied der SKGDM in Grünberg.


„ Ich bin sehr froh, dass ich hier In der SKGDM bei Herrn Grzegorczyk Deutsch lernen darf, wir  machen zusammen eine gute Lehrveranstaltung“


9.      Jan Grzegorczyk


Er wurde in Rybnik am 20.10.1936 geboren. Sein Vater wurde in Pschow (heute Pszow) in Oberschlesien geboren. Nach den schlesischen Aufständen und dem ersten Weltkrieg blieb Pschow bei Polen.  Die Mutter wurde in Schichowitz ( heute Ciechowice) geboren. Dieser Ort blieb bei Deutschland. Die Eltern von Jan heirateten im Jahre 1933 in der Kirche in Lubowitz und wohnten in Rybnik, also in Polen. Als der Krieg ausbrach, war Jan erst drei Jahre alt. Sein Vater wurde am 17. September 1939 auf dem Gebiet der heutigen Ukraine interniert. Während des Transports nach Sibirien, gelang es ihm aus dem Güterwagon zu fliehen. Er konnte gut Deutsch, deshalb hielten ihn die Grenzsoldaten für einen Deutschen. Zu Fuß kam er nach Rybnik zurück.


Zu Hause sprachen sie ausschließlich Deutsch. Die Mutter konnte aber Deutsch und Schlesisch. Jan lernte Schlesisch, Russisch und Polnisch. Nach 1945 wurde in Schlesien verboten, in Schulen Deutsch zu unterrichten. 1955 machte Jan das Abitur und begann das Studium in Warschau. Erst dann konnte er  feststellen, wie man die schlesischen Kinder und Jugendlichen diskriminierte, indem sie die deutsche Sprache nicht lernen durften.


1988 stellte Jan Grzegorczyk  bei der Botschaft der BRD in Warschau den Auftrag auf die  deutsche Staatsbürgerschaft. Die Positive Entscheidung kam im Jahre 1994.


Jan Grzegorczyk ist der Gründer der Sozio-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen Minderheit in Grünberg.



10.  Siegfried Leonhard Kapela


Ich bin am 19. April 1947 als freier Mensch in Zielona Góra (Grünberg) geboren, fast zwei Jahre nach dem furchtbarsten Krieg in der Weltgeschichte. Die Eltern gaben mir den Vornamen Zygfryd (Siegfried), damals verboten. Sie waren mutig. Ich stamme aus einer gemischten Familie, meine Vorfahren waren zum Teil Deutsche zum Teil Polen. Genauso gut konnte ich ein guter Deutsche  wie ein guter Pole sein. Ich wollte ein freier Mensch sein, und im damaligen Polen konnte ich der nicht sein.


Ich wohnte mit meinem Vater – Roch Szczêsny Jan Kapela, Pole aus Poznañ (Posen), der Mutter – Hildegard Herta Simon- und der Großmutter – Anne Simonzuammen. Während des Krieges leistete mein Vater  Zwangsarbeit in der Gegend von ¦wiebodzin (Schwiebus) und lernte dort meine Mutter und ihre Familie  kennen. Der Großvater, David Simon, war Bauer von Beruf. Die Bekanntschaft der Eltern hätte für sie auch tragisch enden können, aber es gelang ihnen, den Krieg zu überleben. Der Großvater und viele andere ältere Leute wurden zum Volkssturm eingezogen, um gegen die Russen zu kämpfen. Das Kriegsende erlebte er in der Gegend von Neuruppin , wo die sowjetische Besatzungszone gebildet wurde. Da der Großvater nicht mehr auf das an  Polen abgetretene Gebiet zurückkehren konnte, blieben auf dem Bauernhof Großmutter, Mutter und Vater, der versuchte, sie vor den Russen und anderen Polen zu schützen.


Der Frieden brach an, aber nicht für alle. Gleich nach dem Krieg, im September 1945, heirateten meine Eltern als eine der ersten vor einem polnischen Standesbeamten in Schwiebus. Bald danach wurden sie aus dem Bauernhof hinausgeworfen und mein Vater musste mit beiden Freuen vor den Russen fliehen. Sie begaben sich nach Zielona Góra. Die beinahe drei Wochen lange Flucht war sehr gefährlich, auch dadurch, dass an der Oder, die sie überqueren mussten, keine Brücke mehr vorhanden war. Mein Vater nahm Arbeit im Grünberger Stadteinzelhandel auf. Am Anfang der 50er Jahre zogen meine Eltern ins Dorf Ochla (Ochelhermsdorf) bei Zielona Góra, wo  mein Vater durch Schenkung vom polnischen Staat ein ehemals deutsches Haus und 3 Hektar Grund erhielt. Nach zwei oder drei Jahren tauschte er mit dem Nachbarn den Bauernhof gegen ein Haus ohne Ackerboden, um die Notwendigkeit der Übergabe von Bodenerzeugnissen an den Staat – sog. Zwangskontingent-  zu vermeiden. Die Nichterfüllung dieser Pflicht wurde streng bestraft.


In den ersten Jahren meiner Kindheit wurde zu Hause nur Deutsch gesprochen, denn weder Großmutter noch Mutter sprachen Polnisch. Das Sprechen brachte mir  meine Großmutter bei, erzählte schöne Märchen und sang schön. Meine Beziehungen mit den polnischen Kindern waren anfangs wegen der mangelhaften Kenntnisse des Polnischen  beschränkt.


Meine Großmutter besuchte oft den deutschen Friedhof, der sich unserem Haus gegenüber befand, da pflanzte sie Blumen an, riss Unkraut aus, harkte. Ich ging  zusammen mit ihr dorthin und wunderte mich sehr, mit wem sie sich da unterhielt und wem sie sang. Es gab nur schöne Gruften, sehr viele Kreuze, schöne Zäunchen und Grabsteine, viele wild wachsende Blumen und Ziersträucher. Die Großmutter pflegte zu sagen: „Schau, Sigi, hier ruht jemandes Mutter, und hier jemandes Vater, und hier jemandes Oma und Opa, und hier ruhen Bruder und Schwester, kleine Kinder sind auch begraben, und sie sind hier alleine, niemand kommt zu ihnen. Sprechen wir Vater Unser und gedenken an sie, Sigi”. Ja, Oma, ich erinnere mich an sie bis heute.


Im Jahre 1954 ging ich in die Schule in Ochla. Schon sprach ich einigermaßen polnisch, die Kinder bemerkten aber schnell, dass ich anders als sie sprach und bald wussten sie auch warum. Ich fühlte mich schlecht in dieser Schule, ich war alleine, und meine Mutter konnte mir nicht helfen, weil sie polnisch noch schlechter als ich sprach. Die Großmutter wiederholte ständig, dass man sich nicht prügeln sollte, dass ich lächeln sollte und sich mit ihnen unterhalten, und wenn  mir das nicht gelinge, sollte ich sie meiden oder flüchten –  ich dürfe mich aber nie mit jemandem prügeln.


Ich gab mir sehr viel Mühe, das Polnische möglichst schnell gut zu beherrschen, denn ich wollte der Großmutter und der Mutter helfen, und auch deshalb, dass die Kinder  mich nicht  bespuckten und traten.


Wenn ich mich besonders schlecht fühlte, ging ich zu „meinem“ Friedhof. Er war wie eine unbewohnte Insel, in der man sich verbergen konnte, dort war es schön und leise. Meine Altersgenossen vermieden diesen Platz, weil sie Angst vor Gespenstern hatten. Das Paradox der Geschichte: Die Gespenster der auf diesem Friedhof ruhenden Deutschen und der Glaube an die Gespenster meiner polnischen Altersgenossen versicherten mir dort Ruhe. Mit der Zeit sprach ich polnisch immer besser, hatte sogar schon polnische Freunde.


Im Jahre 1957 erlaubte man der Großmutter, zu dem Großvater David zu fahren. Ich vermisste sie sehr, ich wollte zusammen mit ihr nach Deutschland fahren. Jedoch durfte nur meine Mutter – ohne uns –fahren. Nach dem polnischen Gesetz waren wir Polen und deshalb durfte uns die Mutter nicht nach  Deutschland mitnehmen. Für die Mutter war selbstverständlich, dass sie den Ehemann und die Kinder nicht  in Polen allein lässt,  daher fuhr sie nicht. Die Schulerlebnisse und die riesige Sehnsucht, welche ich nach der Wegfahrt meiner Großmutter empfand, verursachten, dass ich anfing, meinen Eltern die Erziehungsprobleme zu bereiten, oft floh ich aus dem Haus. Ich schlief damals auf „meinem” Friedhof am häufigsten, auch in den umliegenden Wäldern oder am Flüsschen Ochla.


Im Frühling 1959 entschloss ich mich, nach Deutschland, zu meiner Großmutter zu fliehen. Ich ging zum Bahnhof in Zielona Góra und stieg unbemerkt in einen Zug ein, der nach Szczecin (Stettin) fuhr. Es gelang mir, bis zur Endstation schwarz zu fahren. Dort suchte ich den Weg zum Hafen. Ich wollte unbemerkt auf ein Schiff kommen, was  auch in der Nacht gelang. Ich dachte, dass dieses Schiff nach Deutschland fahren würde, weil am  Schiff die Aufschrift „Bremerhaven“ zu sehen war. Ich versteckte mich zwischen den Kisten und blieb still. Nach einigen Stunden, schon tagsüber, aber noch vor dem Auslaufen, wurde ich entdeckt. Polnische Soldaten nahmen mich fest und brachten mich zur Polizei. Ich wurde in eine Zelle mit Gittern gesperrt und durch Polizisten verhört.


Ich wollte meinen Namen nicht verraten, denn ich hatte Angst vor dem Heimkehren. Ich hatte  einfach Angst, dass mein Vater mich deswegen schlagen würde. Die Polizisten legten mich jedoch auf einen Hocker und ich bekam  Schläge mit dem Gummiknüppel auf den Hintern; nach dem zweiten Schlag wussten sie schon genau, wie ich heiße und wo ich herkomme. Nach einigen Tagen kam meine Mutter nach Szczecin und brachte mich nach Hause. Mein Vater schrie mich furchtbar an. Er sagte, dass die ganze Familie meinetwegen bestraft würde, dass wir alle nach Kasachstan deportiert würden, dass ich an die Eltern und an die Geschwister – und nicht an die Großmutter denken sollte. Ich wusste, dass er eine riesengroße Angst vor etwas hatte. Um die Situation zu retten, meldete er mich zur Untersuchung in einer psychische Gesundheitsberatung an, da mit mir scheinbar nicht „alles in Ordnung“ sei.


Einige Monate später fand die Sitzung des Familiengerichts in meiner Angelegenheit statt. Die Eltern wurden zu einer Geldstrafe wegen mangelhafte Aufsicht verurteilt, das Familiengericht entschied zusätzlich, mich im Erziehungsheim für Jugend in G³ogów (Glogau) unterzubringen. In diesem Erziehungsheim, das mich erziehen sollte, war ich nur einige Monate, aber später erwies sich, dass sich mein Leben mit G³ogów für wesentlich längere Zeit verband.


Nachdem ich die Grundschule abgeschlossen hatte, entschied mein Vater, dass ich meine Weiterbildung in G³ogów fortsetzen sollte. Er meinte, dass ich – erstens – weit von der Familie sein werde, so belasten sie meine eventuellen Fluchtversuche aus Polen nicht, zweitens – beim Lernen in der Berufsschule namens Feliks Dzier¿yñski für den Beruf des Landwirtschaftsmechanikers ich Chance hätte, die familiären landwirtschaftlichen Traditionen des Großvaters David zu pflegen; und übrigens war, ist und werde die landwirtschaftliche Arbeit  in jedem Staat und jedem System notwendig sein.



Zu dieser Zeit waren auf „meinem“ Friedhof die Änderungen immer mehr sichtbar: Viele umgeworfene Grabsteine, viele Skulpturen und Zäunchen verschwunden, zerschlagene Kreuze. Die Friedhofszäunchen waren später auf Bauernhöfen der umliegenden Bauern als Zierzäune zu finden, Kreuze als Gewichte in Scheunen, in Pferde- und Kuhställen, als Materialf zum Ebnen der Wege oder zur Verstärkung der Fundamente der neuen Gebäude.


Ich wollte flüchten, angesichts dessen, was ich sah und hörte, wollte ich dort nicht mehr sein. Während der Sommerferien stellte ich aus verschiedensten Teilen ein Fahrrad zusammen und soweit ich nur konnte, fuhr ich mit dem Fahrrad  ein paar Dutzend Kilometer aus Ochla (Ochelhermsdorf) nach Zasieki (Forst) und saß  tagelang am Fluss Nysa (Neisse),  auf das gegenüber liegende Ufer schauend, wo meine Großmutter lebte.  Dort war damals für mich Deutschland.


 



   
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